In Bolivien werden Gäste nach meiner Erfahrung immer sehr verwöhnt. Bei Besuchen untereinander wird auf dem Land immer etwas zu Essen gereicht. Z.b. Mote, in Form von großen gekochten Maiskörnern. Als Gast sollte man immer einen leeren Magen mitbringen. Gegessen kann eigentlich immer.
Die Portionen können sehr üppig sein. Das hat vor allem zu tun, dass sie hauptsächlich physisch arbeiten und dadurch mehr Kohlenhydrate sprich, Reis, Kartoffeln, Nudeln, Bohnen, Linsen aufnehmen müssen. Außerdem wird weniger Süssigkeiten oder zwischendurch eine Kleinigkeit gegessen.
Der Ärmste bringt Sagenhaftes auf den Tisch und manchmal schämt man sich und denkt, man isst ihm sein Essen weg, denn der Gast bekommt am meisten und wird ständig aufgefordert mehr zu essen. Als europäischer Gast sollte man am besten das Fleisch zuerst essen, damit der Gastgeber merkt, dass man es wertschätzt; denn Fleisch ist etwas Besonderes und kommt nicht so oft auf den Speiseplan. Ein Geschenk mitzubringen ist nicht verkehrt, vor allem wenn man aus Europa kommt. Vor allem die Verwandten von Heimkehrern erwarten “Schätze” aus dem Ausland. Ist man mit dem Gastgeber vertraut, freut sich dieser bestimmt über ein Säckchen Cocablätter oder ein Kasten Bier.
Beim Verzehren der Speisen habe ich einen großen Unterschied zwischen einer deutschen Reisegruppe (inkl. meiner Wenigkeit) und einer bolivianischen Gruppe beobachtet. Während wir am “deutschen” Tisch uns feucht-fröhlich unterhalten und gelacht haben mit einem hohen hohen Geräuschpegel, hat die bolivianische Gruppe seelenruhig und ohne jegliche Kommunikation gegessen. Meine Erklärung liegt darin, dass diese stille Haltung damit zu tun hat, dass Nahrung in Bolivien verständlicherweise einen höheren Stellenwert hat.
