Die jahrhundertelange Herrschaft der Spanier und seiner Nachfahren hat deutliche Spuren hinterlassen. Das sieht man vor allem an der latenten Diskriminierung der indigenen Bevölkerungsgruppen in allen lateinamerikanischen Staaten. Eine starke Identifizierung und Besinnung auf die präkolumbianischen Wurzeln ist so im Keim erstickt worden.
Noch immer ist die Hautfarbe ein Indiz für die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Schicht. Eine helle Haut zu haben, bedeutet zu einer reichen mit Privilegien ausgestatteten Minderheit zu gehören. Lange Zeit war für die Benennung der Urbevölkerung Südamerikas das Wort „Indio“ noch Gang und Gebe. Mittlerweile hat sich wenigsten im Schriftverkehr „indígena„ oder „pueblos originarios“ durchgesetzt. Ich persönlich benutze die Einteilung in Ethnien also in Angehörige der Quechua, Aymara oder Guaraní im Falle von Bolivien. Dort wurden die indigenen Bevölkerungsschichten vor allem in Santa Cruz im Osten des Landes als Eindringlinge gesehen, die vom ärmeren Westen in den ressourcenstarken Osten wandern. Die weiße Schicht sitzt in Bolivien noch am längeren Hebel. In der Werbung in Zeitungen und auf Plakaten sind meist weiße Menschen zu sehen.
Mein persönlicher Eindruck ist, dass die Nachfahren der indigenen Völker unbewusst diese Unterdrückung mittragen. Sie tendieren dazu, den westlichen Lebensstil in den Himmel zu loben. Sie lassen einen nicht spüren, dass sie wirklich stolz auf ihre Wurzeln sind. Natürlich hat es auch damit zu tun, dass Bolivien ein wirtschaftsschwaches Land ist, viele Menschen für ihre Existenzsicherung kämpfen müssen, ihre Kinder nicht genügend versorgen können und sich dafür schämen. Das ist eine durchaus menschliche Reaktion. Ihr Bild von sich kann derart ins Negative fallen, dass sie sich bei einer Heirat mit einem Europäer bzw. Europäerin ihre Rasse verbessern wollen. Im Grunde heißt das im Umkehrschluss, dass sie damit ihre Rasse nicht wertschätzen. Wenn sie sich selbst nicht wertschätzen, warum soll dann jemand kommen und sagen, dass sie wertvoll sind, wenn Sie es selber nicht fühlen.
1 „No quiero que mis wawitas me parescan nada, porque quiero mejorar la raza.“