Umgang mit Armut

Eine kleine Anekdote: In der Provinz Ayopaya arbeitet seit 30 Jahren eine deutsche Nonne für die dortigen Bewohner. Vor allem unterstützt das Projekt Kinder und junge Menschen vor Ort. Als ein paar Spender das erste Mal das Projekt besuchten sahen sie die fröhlichen Gesichter der Kinder und wunderten sich: „Warum lachen die denn so? Die sind doch arm!” Als die Gruppe wieder in der deutschen Heimat war, kamen von ihr keine Spenden mehr.

Diese Anekdote zeigt, dass das Bild von der sogenannten Dritten Welt-Ländern oder Entwicklungsländern noch sehr davon ge­prägt, dass man sich die Menschen arm vorstellt, in Schmutz lebend und hungern. Mit diesem Bild gehen viele Reisende nach Bolivien. Nach meiner Meinung gewinnen wir in Deutschland eine solche Sichtweise auf Entwicklungsländer durch die Medien, die sich in ih­ren Berichterstattungen verstärkt auf die Probleme dieser Länder richtet. Auch die Hilfsorga­nisationen vermitteln, durch ihr Ziel ein hohes Spendenaufkommen zu erreichen, ein bemitleidendes Bild dieser Länder. Doch Mitleid ist ein Gefühl, dass den Menschen ihre Kraft nimmt. Oder wie geht es Ihnen damit, wenn Sie mit den Worten getröstet werden: Das ist doch nicht so schlimm! Das wird schon wieder! Fühlen Sie sich dabei verstanden? Stark? Motiviert?

Wenn man aber mit den Menschen Mitgefühl statt Mitleid zeigt, ist man auf einer Ebene. Keiner ist der Stärkere oder der Schwächere . Alle verdienen Respekt vor ihrer Person, vor ihrer Lebensleistung. Keiner in Deutschland könnte seinen Lebensunterhalt alleine durch die Bewirtschaftung von Feldern und durch Handarbeit sichern. Wir haben hier in der westlichen Welt diese Grundfähigkeiten verlernt. Die Verbindung zwischen der Natur und dem Menschen, der Achtung vor der Natur ist in Deutschland nicht so gegenwärtig, wie in Bolivien.

Also wenn Sie das Gefühl haben, helfen zu müssen, spenden Sie gezielt an Privatpersonen, also Leute, die sie dort kennengelernt haben und zu denen sie auch weiterhin Kontakt haben werden. Sinnvoll wäre es, diese Leute zu fragen, was sie genau mit dem Geld machen würden. Investieren Sie z.B. in ein kleines Geschäft, ein Kiosk, womit die Arbeit der Leute geachtet wird und dem sie auch weiterhin ihren Lebensunterhalt selber bestreiten können. Sie können natürlich auch deren Kinder unterstützen, damit sie die Schule besuchen können. Unterstützen Sie wenn dann die ganze Familie (zwei Generationen!), da sich die Eltern sich schämen könnten, ihre Kinder nicht alleine versorgen zu können. So erleben die Kinder ihre Eltern als schwache Eltern und das Selbstwertgefühl leidet darunter.

Prüfen Sie auch, ob die Pläne auch sinnvoll sind. Z. B. fragte mich mein Cousin, ob ich ihm Geld für ein Taxi leihen könnte, damit er damit Geld verdienen könne. Da aber in seinem Ort schon viele Taxis leer herumfuhren, wäre diese Investition nicht sehr sinnvoll gewesen.

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