Sich mit Spanisch verständigen zu können, ist in Südamerika fast unabdingbar. denn oft kommt man mit Englisch nicht weiter. Selbst an Flughäfen spricht nicht jedes Personal Englisch.
Offizielle Sprachen sind neben Spanisch, Quechua und Aymara, die auch seit 2007 an den Schulen Boliviens Pflichtfächer sind. Quechua, die Sprache, die die Inka gesprochen haben, wird noch von einem Großteil der Bevölkerung gesprochen, wobei es regionale Dialekte gibt. In Peru wird ein andererQuechua dialekt als in Bolivien gesprochen. In manchen Gebieten Boliviens sprechen die Leute nur Quechua, verstehen aber Spanisch. Aymara wird in La Paz und westlich davon sowie in Peru gesprochen. Das gilt sowohl für die rein indigenen Gruppen als auch für die Mischlinge. Tupi-Guaraní spricht man im Osten des Landes, obwohl diese Sprache schon vom Aussterben bedroht ist.
Ein kurzer Ausflug in das bolivianische Spanisch: Zum einen wird für die spanische Sprache “Castellano” und “Español” verwendet. Beides sind Synonyme für die spanische Sprache. Castellano wird in vielen lateinamerikanischen Staaten als Amtsprache verwendet. In Spanien wird der Begriff Castellano verwendet, wenn man Baskisch und Gallego miteinbezieht.
Das Spanisch in Bolivien unterscheidet sich in vielerlei Hinsicht vom Spanisch in Spanien.
Es scheint so, als sprächen die Spanier wie aus dem Maschinengewehr, während die bolivianischen Sprecher gemütlicher und weicher sprechen. Der ceceo, sozusagen das “th” des Español ist ein besonderes Merkmal der spanischen Sprache. In ganz Lateinamerika wird er durch ein s ersetzt. Das ist sehr angenehm. Man spricht in der Sprachwissenschaft vom seseo. Zum Beispiel spricht man das Wort “corazón” für Herz nicht “Corathon” sondern “Corason” aus. Manche jugendliche Sprecher, verwenden oft statt s auch sch. Auffallend in Bolivien ist, dass b, d, g abgeschwächt ausgesprochen werden. d klingt sehr weich, wie bei Wörtern, bei dem das d in der Mitte steht wie “encantado”. Auch das r wird nicht stark vibriert, wie die spanischen Sprecher in Spanien. Vor allem die Quechua-Sprecher benutzen das r sehr geschwächt.
Auffallend ist das auch das Phänomen des Voseo. Seine Sprecher verwenden statt tú als Anrede vos (Que quieres vos?- was möchtest du?) Die Form des tú wird als Tuteo bezeichnet. Der Voseo wird nicht nur in Bolivien benutzt, sondern auf den Antillen, in Mexico, den karibischen Küstengebieten Kolumbiens, Venezuela, Peru bewahrt.
Weiterhin spricht man in der Sprachwissenschaft von einem Loísmo.
Das maskuline direkte Objekt lo/los wird ohne stilistische oder soziale Relevanz anstatt von le/les verwendet. Auffällig ist die Diminutivbildung mit dem Suffixen -ito/ a und -ico, das in weiten Teilen des lateinamerikanischen Kontinents vetreten ist. Menschen und Gegenstände werden verniedlicht. Das ist meist ins Deutschen nicht wörtlich zu übersetzen wie “mi esposito” für mein kleiner Ehemann”. Die Verwendung von -ito/a begleitet auch die langezogene Sprechweise der bolivianischer Sprecher.
Oft wird am Satzende als Einverständniserklärung sip verwendet, also
si pues – ja klar sowie no ves? (gesprochen wie no ve) für nicht wahr?