Ethnien

Im 19. Jahrhundert sind Europäer nach Südamerika vor allem nach Argenti­nien, Uruguay und nach Chile gekommen. Durch die dortigen Ausrottungskampanien gibt es fast keine indige­nen Bevölkerungsgruppen. Nur das Volk der Araukaner leistete in Chile lange Widerstand. Heute nennen sie sich Mapuche. Die Kreolen, die Nachfahren der Spanier und der weißen eingewanderten Bevölkerung sind auf dem Kontinent am wenigsten vertreten, gefolgt von den Nachfahren der afrikanischen Sklaven in Kolumbien und Venezuela. Über die Prozentzahl der Mestizen, der Mischlinge und der indigenen Bevölkerung gibt es verschiedene Angaben. Vor allem in Guatemala, Bolivien, Ecuador und Peru meint man eine indigene Mehrheit zu verzeichnen.

Bolivien spricht über sich von einem plu­ri-ethnischen Land. Die über 30 Ethnien sind über das ganze Land verteilt, dennoch bilden drei Ethnien die Hauptgruppe. Die meist ver­tretenen Gruppen davon sind die Quechua und die Aymara, die untereinander auch vermischt sind. Beide gehören zu den indigenen Völkern und machen über die Hälfte Boliviens aus. Quechuas sind mehrheitlich im Departement Cochabamba, Potosi und Chuquisaca vertreten, während Aymaras in und um La Paz, der größte Stadt Boliviens, leben. Im Tiefland, im sogenannten Oriente, gibt es nur noch eine Minderheit an Indígenas, den Guaranís.1 Im Hochland gibt es sogar eine kleine Bevölkerungsgruppe von Nachfahren afrikanischer Sklaven. Dabei muss man sagen, dass sich die Statistiken bei der ethnischen Zugehörigkeit sehr unterscheiden. Nach einer Statistik vom Jahre 2007 rechnen sich 60,6 % als Mestizen an, während sich nur rund 15,6 % zu den indigenen Völkern zählen und 19% sich zur weiß Bevölkerungsgruppe rechnen.

Trotz der Unterdrückung der indigenen Bevölkerung durch die Spanier, die sie als niedrige Rasse ansahen, blieben einige Errungenschaften erhalten sowohl in sozialer Hinsicht als auch in materieller Hinsicht. Noch heute genießt die Familie und die Dorfgemeinschaft einen ho­hen Stellenwert. Diese Art von Gemeinschaftsverständnis wurde vor allem in der inkaischen Kultur gepflegt. Der sogenannte Ayllu repräsentierte in der inkaischen Zeit eine Dorfgemein­schaft. Heute haben Genossenschaften weitgehend die Ayllus abgelöst, haben aber eine ähnli­che Funktion. So wie der Theologe Victor Bascopé Caero schreibt:

„(N)os organizamos los andinos para nuestra convivencia en lo económico, sociopolítico, cultura y religioso.”2

Eine weitere Errungenschaft oder Erbe der Inka ist die Verwendung der Cocapflanze, die bei den Inkas heilig war. Neben den leichten Betäubungseffekten beim Aussaugen des Kokablattes hat das Cocablatt eine religiöse Funktion. Der Inkapriester las daraus auch die Zukunft.

1 Wie Urus (Ethnie, die auf Schilf im Titicacasee leben; Chiquitanos, Moxeños, Guarayos Chimanes, Guarayos…

2 Bascopé Caero, Victor, Espiritualidad originaria. En el pacha andino, Cochabamba 2008; ÜS: Wir Andenvölker organisieren uns zum Zweck unseres Zusammenlebens auf der Ebene der Wirtschaft, der Soziopolitik, der Kultur und der Religion.

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