Söhne und Töchter werden, wenn es möglich ist, auf Schulen geschickt. Wie so oft ist es für die kinderreichen Familien nicht machbar, alle Kinder auf die Schule zu schicken. Die Schuluniform, Bücher und Stifte müssen gekauft werden. Deshalb ist die Analphabetenquote sehr hoch. Kinder von Analphabeten haben es noch schwerer, da die Eltern ihnen nicht helfen können.
Inzwischen beträgt die Schulpflicht in Bolivien 8 Jahre. Dennoch verlassen noch viele Jugendliche die weiterführende Schule, das Colegio, das mit dem Abitur endet. Der aktuelle Präsident versucht nun durchzusetzen, dass alle Bolivianer das Abitur machen, denn das bolivianische Bildungssystem kennt keinen Hauptschulabschluss oder Realschulabschluss noch ein Duales System. Das Abitur befähigt den Absolventen ein Studium aufzunehmen, wobei es auch Aufnahmeprüfungen gibt. Im Grunde werden die meisten Berufe auf der Universität gelehrt, auch Berufe, die man in Europa in einer Ausbildung lernt, wie Krankenpfleger. Berufe, wie das Schneiderhandwerk und Friseurhandwerk kann man an einem Abendgymnasium lernen, wobei man dafür Gebühren zahlen muss.
Durch den Wert des Abiturs wird jeder Bildungsabschluss auch wenn es nur um die “Promoción” nach dem Kindergarten geht, mit Pauken und Trompeten gefeiert. Die Abiturfeier wird ähnlich feierlich begangen.
Das bolivianische Abitur entspricht dem Realschulabschluss und wird in Deutschland „nur“ als diesen angerechnet.
In den großen Städten können reiche bolivianische Familien ihre Kinder auf ausländische Schulen schicken. Das Schulgeld beträgt sogar monatlich um die 100 Dollar. Im Vergleich bekommt ein Dorfschullehrer umgerechnet 100 Dollar an einer staatlichen Schule. Sein Gehalt ist schon relativ hoch für Bolivien. Der Beruf des Lehrers ist allerdings nicht so erstrebenswert. Er hat nicht viel Autorität, wenn er seine Schützlinge nicht im Griff hat. Lehrer holen sich monatlich ihr Gehalt an der zuständigen Stelle in der Stadt ab. Da sie auf das Geld angewiesen sind, fällt der Unterricht in der Zeit an ihren Schulen aus, je nachdem wie weit der Weg von der Schule bis in die Stadt ist.
Der Erziehungsstil in der Familie als auch im Kindergarten und in der Schule ist autoritär. Es wird mal gern herum gebrüllt und Disziplin gefordert, auch von den ganz Kleinen. Nach meiner Beobachtung ist die Eigenkreativität stark eingeschränkt. Das Auswendiglernen tritt an die Stelle des eigenständigen Denkens.
Eine kleine Anekdote: Eine bolivianische Mutter erzählt: „Als mein Kleiner ankam und sagte, dass er von einem Jungen geschlagen wurde, sagte ich: Dann schlag doch zurück. Das machen wir immer so.“
So werden Machos von den eigenen Müttern erzogen und dieser Erziehungsstil ist uns sehr befremdlich. Übrigens kriegen sich Mädchen auch gern in die Haare und schlagen Jungs oder auch ihre Geschlechtsgenossinnen.