Mizque – Mizqui im Departamento Cochabamba

Den Hut fest auf dem Kopf nahm er die Hacke auf seine Schultern und ging hinauf zu den Feldern. An seiner Schulter baumelte eine Tasche, aus der der Dampf von gekochtem Mote und Kartoffeln in die kalte Morgenluft stiegen. Von weitem sah man den Rauch des Feuerholzes, der sich in die Lüfte schlängelte und vom Wind zerstreut wurde. In der Küche mischte sich der Essensgeruch mit dem des Rauches, der den hin­teren Teil der Hütte jahrelang schwarz gefärbt hatte. Am Boden standen Plastikeimer, die mit Wasser gefüllt waren. In einem der Eimer schwamm eine Kürbissschale, die mit einem dumpfen Geräusch durch die Wellen des Wassers an die Eimerwand stieß. Ein Mädchen stand an der Kochstelle, rührte im Topf und blies zwischendurch immer wieder mit einem Rohr in die Glut. Neu hineingesteckte Äste knisterten und das Feuer mehrte sich und umschmiegte den Topf. So beginnt ein Tag auf dem Land in Bolivien. Die Luft dort riecht im Winter nach Erde, nach Staub und nach unendlicher Weite.

Ich bin geradewegs auf dem Weg nach Mizque im Departamento Cochabamba. Von dort geht eine Straße nach Süden. Sie führt an der Laguna Alalay vorbei, die die ganze Stadt mit Wasser versorgt. Folgt man weiter der Straße, fährt man am Lago de Angostura und am Lago Eden vorbei, wo sich eine Art kleiner Vergnügungspark mit Tretbooten befindet, dass an Feiertagen von verliebten jungen Paaren und Kindern bevölkert ist.

Weiter geht es über Tarata nach Cliza. Man sollte sich als „Nicht-Clizianer“ ganz schnell vom Acker machen, da der Ort als berühmt-berüchtigt gilt, dem nachgesagt wird, dass deren Bewohner sogar das Flugzeug des Papstes aus der Luft stehlen würden. An der Straße sieht man viele große Häuser, die halbfertig und sogar zweistöckig sind. Ein zweistöckiges Haus ist für bolivianische Verhältnisse eher selten, zumindest auf dem Land. Man sagt, dass das Geld von den ins Ausland abgewanderten Bolivianern stammt, die vor allem in Spanien arbeiten. Also weiterfahren über Punata nach Arani! Danach beginnt eine Straße mit Kopfsteinpflaster, die bis nach Miqzue führt. Man braucht dafür einen starken Magen, um das Geruckel so zwei Stunden auszuhalten, in der Flota, dem Überlandbus sowie im Jeep.

Das Tal um Mizque liegt circa 170 km südöstlich von Cochabamba und wurde von den Soldaten vom Inkaherrscher Capac Yupanqui (um 1320) wegen seiner Gemütlichkeit und Süße, Mizqui oder Misk’i (auf Quechua „süß“) genannt. Mizque, das während des ersten Jahrhunderts nach der Eroberung des Inkareiches „Salinas del río Pisuerga hieß, wurde 1603 von Don Francisco de Alfaro, Beamter des Regierungsbezirkes Audiencia de Charcas des Alto Perú in seinen heutigen Namen umbenannt.

Es wurde durch seine wirtschaftliche Entwicklung und durch den dortigen Sitz des Bischofs von Santa Cruz bekannt. Berühmt ist Mizque auch für seinen Wein und seinen Käse. Der Springbrunnen auf der Plaza erinnert noch an diese Zeit, als die Spanierinnen mit Schirmen als Schutz vor der Sonne durch die Gassen von Mizque gingen.

Heute ist Miqzue eher klein und beschaulich. Es gibt ein Krankenhaus, einen großen Friedhof, ein Museum der Archäologie und. Das Museum stellt inkaische und präinkaische Utensilien aus zum Beispiel Keramiken und Kleidung aus dieser Zeit. Die Kirche Señor de Burgos, die durch den Einsturz durch das Erdbeben 1998 neu errichtet wurde steht direkt an der Plaza. Im Ort sind italienische Franziskaner tätig, die schon seit Jahrzehnten dort sind. Auf Anfrage kann man dort auch übernachten. Ein Zweibettzimmer ist vorhanden. Deren Haus befindet sich an der Ecke der Plaza direkt gegenüber der Kirche. Vom 13.-15. September ist schwer was los in Mizque, nämlich die Fiesta del Señor de Burgos, an der unter anderem „Corridas del Toros“ stattfinden. Außerhalb der Festtage lohnt es sich den Markt anzusehen, der sich in der Nähe der Plaza in einem halbüberdachten Hof befindet.

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